Ein „magisches“ Konzert mit Cat Ballou

Neue Interviewreihe der Großen Kölner stellt Kölner Bands abseits des Karnevals vor

Von Dr. Marie-Christine Frank

Alle Bilder zum Bericht: https://www.grossekoelner.de/fotos.html

Nach der Session ist ja bekanntlich vor der Session! Damit Euch die Zeit ohne die Großen Kölner und den Karneval nicht ganz so schwer fällt, haben wir diese Interviewreihe entwickelt. Wir möchten Euch die Gelegenheit geben, die Künstler und Bands, die wir Euch während der Session auf unserer Bühne präsentieren, noch einmal auf andere Art und Weise kennenzulernen: Wir begleiten sie auf einen Abstecher in ihren Bandalltag nach dem Karneval, erfahren von ihren Vorhaben für die Zukunft und den Vorbereitungen auf die kommende Session. 

„Cat Ballou“ machen den Anfang

Starten möchten wir heute mit einer Gruppe, die es schon über 15 Jahre gibt. Bereits als Kinder machten die vier Freunde zusammen Musik. Drei Bandnamen und einige Jahre später haben sie ihren eigenen Stil gefunden und perfektioniert. In der Session 2012/2013 hatten sie mit „Et jitt kei Wood“ einen Megaerfolg und feierten ihren Durchbruch im Karneval. Es folgten Hits wie „König“, „Hück steiht die Welt still“ und „Die Stääne stonn joot“. Was die vier Jungs von Cat Ballou nach der Session so machen, wie es ihnen geht und welche Verbindung sie zum Karneval und zur Großen Kölner haben, das haben wir versucht, für Euch herauszufinden. Hierzu haben wir Oli Niesen, Dominik Schönenborn, Michael Kraus und Kevin Wittwer bei ihrem Konzert im „Kuba“ in Jülich begleitet.

Herrlich unaufgeregt und super sympathisch

Das ist mein erster Eindruck der vier Jungs von Cat Ballou. Bereits in der Session haben sie bereitwillig für Videos und Selfies für die sozialen Medien der Großen Kölner zur Verfügung gestanden. Routiniert wie kaum eine andere Band können sie mit Selfiestick und Bluetooth-Fernauslöser umgehen. Genauso unkompliziert reagieren sie auch auf meine Frage danach, ob sie sich vorstellen könnten, als erste in einer möglichen Reihe von Interviews für die Großen Kölner mitzumachen. „Klar, kein Problem. Wir freuen uns“, sagte Dominik Schönenborn, Keyborder von Cat Ballou. Und schon war es auch soweit.

Vereinbarter Treffpunkt war am 13. Mai der „Musicstore“ in Köln-Kalk. Von da aus sollte es weiter nach Jülich gehen. Den Ort, an dem Cat Ballou heute ihr zweites Konzert vor der Deutschlandtour spielen. Neue Instrumente müssen her. Oli, Frontmann und Gitarrist der Gruppe, ersteht eine neue Gitarre. Natürlich wird die am Abend bereits zum Einsatz kommen. Für Michi, den Schlagzeuger der Truppe, springen neue Becken raus. Dominik wartet noch auf eine Bestellung, als Kevin auf dem Skateboard  - zeitgleich mit mir - vor dem wuchtigen Gebäude eintrifft. Wie passend, denke ich. Das muss für Musiker ja der Himmel auf Erden sein, ein Besuch in einem der größten Musikkaufhäuser Europas. Die Jungs stimmen zu und schon bald geht es weiter nach Jülich.

Soundcheck und Gastmusiker

Im „Kulturbahnhof“ Jülich – auch „Kuba“ genannt – angekommen, herrscht vier Stunden vor dem Konzert reges Treiben. Die fünf Techniker der Jungs haben bereits die Bühne aufgebaut. In mächtigen Lettern, aus großen Glühbirnen geformt, leuchtet „CB“ vom Rücken der Bühne. Das Licht wird getestet, die Instrumente stehen schon fast alle bereit. Kevin, der Bassist von Cat Ballou, bringt seinen Bass selbst mit. Den hatte er auf zuvor auf den Rücken geschnallt, als er mit seinem Skateboard an mir vorbei fuhr. Er muss noch neue Seiten aufziehen. Das ist schnell getan und schon geht es zum Soundcheck auf die Bühne. Bis alle Instrumente und Mikros einmal durchgetestet sind, vergehen zwei Stunden. Insgesamt ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Technikcrew und Band sind hochkonzentriert. Der Umgangston ist aber durchgehend herzlich und freundschaftlich. Auch die beiden Gastmusiker, die heute dabei sind, gehören schon mit zur Familie: Yannick Richter und Tim Niepalla unterstützen Cat Ballou in größeren Sälen. Yannick spielt Gitarre und Tim unterstützt an den Percussions. Die Jungs kennen sich. Yannick hat schon das große Cat Ballou Konzert im Kölner E-Werk letztes Jahr begleitet. http://youtu.be/MdHnAed2LMU

Immer wieder entstehen kurze Pausen, die ich nutze, um ein paar Fragen los zu werden. Der Soundcheck geht dem Ende entgegen. Es muss noch „Do und ich“ geprobt werden. Dieser Song gehört in der Session zur festen Setlist und dürfte einigen von Euch daher bekannt sein. Er wird nicht von Frontmann Oli, sondern von Keyboarder Dominik gesungen.

http://youtu.be/75ZwSZV-WNE

Wuseliges Treiben im Backstagebereich

Kaum ist der Soundcheck vorbei, alle Instrumentenkisten und Technikboxen sind weggeräumt, geht’s für Crew und Band in den Backstagebereich. Das Catering ist bereits angeliefert. Genau pünktlich, denn die Mägen knurren schon ordentlich.

Beim Essen liegt Kevins Bass zunächst auf dem Tisch, Yannick sucht anschließend seine Sonnenbrille, Michi und Kevin notieren sich noch Hinweise auf ihren Setlists, Oli tippt auf seinem Smartphone, Dominik organisiert noch irgendetwas. Das ist seine Rolle. Als „Bandmama“ bezeichnen ihn die Jungs schmunzelnd. Michi ist „der Sunnyboy“ der Truppe. Das kann ich nur bestätigen. Er hat immer ein Lächeln auf den Lippen und nimmt sich viel Zeit dafür, mir und Euch Cat Ballou etwas näher zu bringen. Kevin gilt als „der Laute“ und Oli als „Dirigent“ der Truppe: „Oli hört einfach alles. Wenn irgendwo ein Instrument falsch eingestellt ist, einer von uns seinen Einsatz nur um ´ne Millisekunde verpasst oder man mal nicht ganz gerade singt, Oli entgeht nichts“, erklärt mir Michi grinsend.

Cat Ballou Sound 

Der perfekte Sound ist den Jungs sehr wichtig. „Den haben wir uns über die letzten 15 Jahre erarbeitet und sind da sehr kritisch mit uns selbst“, erklärt mir Dominik. Wenn mit dem Sound mal etwas nicht 100 prozentig stimmt, nehmen sich die Jungs das zu Herzen und gehen mit ihren Technikern an die Optimierung. Für das Publikum soll das beste Ergebnis erzielt werden. Cat Ballou beschreiben sich selbst als die poppigste Band Kölns. Ihre Rhythmen sind eingängig, haben dabei etwas ganz Eigenes. Früher haben die Jungs Ska-Musik gemacht. Damals waren sie noch unter dem Namen „Die Anfänger“ auf den Bühnen unterwegs. Heute sind Oli, Michi, Kevin und Dominik musikalisch zu einer Einheit gereift, kennen ihre Stärken und wissen, wie sie klingen wollen. Die markante Stimme von Oli, ihre eigenen Gitarrenriffs und ihre besondere, unkomplizierte Art, die Liebe zu ihrer Heimat auszudrücken, machen den besonderen Cat Ballou-Style aus.

Die Ruhe vorm Sturm

Das Essen vergeht wie im Flug. Die Techniker und Gastmusiker verlassen nacheinander den Raum, um noch verschiedenen Aufgaben nachzugehen. Oli, Michi, Kevin und Dominik sind allein im Backstagebereich und stimmen sich so langsam auf ihr Konzert ein. Der Saal füllt sich, man hört Stimmen von aufgeregten Frauen und Männern verschiedenen Alters in den Raum dringen. Die Spannung steigt so langsam – bei den Jungs und auch bei mir. Bevor sie sich dann umziehen und für die Bühne fertig machen, beantworten sie mir noch ein paar Fragen zum Karneval und zur Großen Kölner. So viel kann ich an dieser Stelle vorweg nehmen: Wir sind ein ständiger Begleiter von Cat Ballou - bis in ihren Bandbus hinein. Sekunden vor dem Konzert ist die Stimmung ausgelassen.

http://youtu.be/Ka-rdhFU48E

Session 2012/2013: Wie alles anfing und die Wüst-Version von „Et jitt kei Wood“ 

Vor fast genau drei Jahren standen Oli, Dominik, Michael und Kevin das erste Mal auf unserer Bühne. Damals war es noch die kleine Bühne im „Marsilius-Saal“ des Gürzenich, auf der sie gemeinsam mit unserem Präsidenten Dr. Joachim Wüst eine ganz spezielle Version von ihrem neuen Sessionslied „Et jitt kei Wood“ spielten. Das war zur 11. im 11. – Feier, also, noch vor der Session. Der Riesenerfolg, der sich für die Jungs danach einstellte, war zu diesem Zeitpunkt noch Zukunftsmusik. Doch unser Präsident war sich schon damals sicher: „Das wird ganz groß“. Und nicht nur für ihn war der Auftritt mit Cat Ballou ganz besonders. Auch den vier Jungs ist die spezielle Wüst-Version von „Et jitt kei Wood“ in Erinnerung geblieben.

http://youtu.be/SbaGnf6fgLM

„Jülich ist immer ein Konzert wert“

In Jülich stehen die Jungs nicht das erste Mal auf der Bühne. Man kennt sich. Die Stimmung im Publikum ist dementsprechend von Beginn an irgendwie außergewöhnlich. Kein Unterschied zu Köln erkennbar. Jung und Alt kommen zusammen, Frauen und Männer, Mädchen und Jungen jeden Alters. Bei „Morjens öm 4“ hakt sich plötzlich ein Mann bei mir zum Schunkeln unter. Ich schätze ihn auf 70 Jahre. Er ist textsicher und völlig begeistert von Cat Ballou. Vor der Bühne stehen Mädchen, die ich auf zehn Jahre schätze, neben 16-Jährigen, die – so sieht es zunächst für mich aus – von ihren Müttern begleitet werden. Erst denke ich, die sind bestimmt zur Aufsicht dabei. Später merke ich, dass sie alle Lieder mitsingen können.  

Routiniert spielen Cat Ballou die ersten Lieder. Nicht nur bei ihren größten Hits ist die Stimmung im Saal ansteckend euphorisch. „Das war ein magischer Moment“, weiß Oli Niesen später den Zeitpunkt zu beschreiben, als das Publikum die Jungs von „König“ in „Et jitt kei Wood“ trägt. Neben diesen Klassikern, die natürlich auf keinem Cat Ballou Konzert fehlen dürfen, ist auch ein neuer Song dabei, den die Jungs an diesem Abend erst das vierte Mal live performen: Mit „Immer immer widder“ ist ihnen – meiner Ansicht nach - ein authentischer, schöner, neuer Titel gelungen, der sofort im Ohr bleibt und Spaß macht. Ein Song über Tradition, ihre Liebe zur Heimat und der kölschen Sprache. Er ist im März im kleinen, beschaulichen Örtchen „Much“ im Bergischen entstanden. Dort haben die Jungs eines ihrer „Band-Camps“ veranstaltet. Diese Camps sind eine Art Kreativ-Pause, die sie mehrfach im Jahr einlegen. „Immer immer widder“ wird von einem Besonderen, auf den ersten Blick etwas chaotisch wirkenden, Klatschrhythmus  begleitet. Es funktioniert – der Funke springt sofort zum Publikum über. Der neue Hit für die Session 2015/2016? Was meint Ihr?

http://youtu.be/SLKPJiHRWH4

Nach dem Konzert geht’s zu den Fans

Ungefähr zwei Stunden stehen Cat Ballou an diesem Abend auf der Bühne im „Kuba“. Vier Zugaben haben sie gegeben, ein Interview für die Lokalpresse und danach ging´s noch für eine knappe Stunde für unzählige Selfies zu ihren Fans. Mal lächelnd, mal Grimassen schneidend, mal alleine mit einem Fan, mal mit sechs Personen – die Jungs erfüllen alle Wünsche sehr gerne. Man sieht, dass ihnen der Kontakt zu den Fans wichtig ist und Spaß macht. Diesen Kontakt vertiefen sie auch über Facebook und weitere soziale Medien. Dadurch sind sie ihren Fans sehr nahe, lassen sie teilhaben an ihrem Bandleben, treten in direkte Kommunikation mit ihnen, antworten beispielsweise auf Anfragen und tauschen Bilder aus. „Die Macht der Multiplikation“, beschreibt Dominik Schönenborn die Wichtigkeit von Facebook und Co., „für uns unheimlich wertvoll“.  

Träume und Zukunft

Über ihre eigene Zukunft machen sich Oli, Dominik, Michi und Kevin nicht all zu viele Gedanken. Wenn sie sich etwas wünschen könnten, dann, dass sie die Zeit einfrieren könnten:  „So, wie es jetzt ist, ist es perfekt“, erklärt mir Dominik.

Cat Ballou haben gerade ihre erste Deutschlandtour hinter sich. Am 3. Juni spielen Sie noch beim „Köln-Münchener Karnevalsverein“ zusammen mit „Querbeat“, „Kasalla“ und den „Klüngelköpp“ ein Konzert. Fast wie in der Heimat. Ihre Tour führte sie nach Bremen, Berlin, Hamburg, Aachen und Landsberg am Lech. Am 13. Juni spielen sie im „Waldbad Dünnwald“ ihr erstes eigenes Festival, „NordOstSüdWest“ haben sie es betitelt (http://bit.ly/1FopVJk ). Und das kommt nicht von ungefähr, denn sie holen sich Unterstützung aus verschiedenen Regionen der Republik: „So, wie wir das kölsche Lebensgefühl, die kölsche Sprache über die Grenzen der Region hinaus tragen wollen, machen das auch die Musiker und Gruppen, die wir auf unserem Festival dabei haben“, erläutert Michi. Als Support-Acts sind - wie auch schon teilweise auf ihrem Konzert im E-Werk im September 2014 – dabei: „Django 3000“ aus Bayern, „Lax Alex Contrax“, „Querbeat“ und „Pläsier“ aus Köln. Mit dem ersten eigenen Festival erfüllen sich die Jungs einen Traum. Dominik Schönenborn: „Wir machen Musik für alle Generationen. Bei uns kommen Opa und Enkelin zusammen, um ein Kölsch oder ´ne Cola zu trinken. Das finden wir großartig.“

Alles hat ein Ende

Während Dominik noch ein Interview gibt, reflektieren Oli, Kevin und Michi gegen 23.00 Uhr in der angenehm kühlen Luft im Innenhof des „Kubas“ den Abend. Sie wirken hochzufrieden und wenig müde. Ihr Fazit und den Gruß an uns seht Ihr hier. 

http://youtu.be/F7D7PmkLHYc

Für mich endet mein Einsatz nachts gegen 1.30 Uhr. Nach diesem Abend kann ich nachvollziehen, was unser Präsident Dr. Joachim Wüst 2012 in Oli, Dominik, Kevin und Michi gesehen hat: Cat Ballou drücken das viel beschworene und besungene „kölsche Geföhl“ auf ihre ganz eigene, herrlich sorgenfreie und leichte Art und Weise aus. Eben authentisch auf Cat Ballou-Style!

Dank

Ich bedanke mich bei Cat Ballou dafür, dass sie uns an diesem Tag mitgenommen haben in ihre Welt und hoffe, Euch die vier Jungs, ihre Nähe zur Großen Kölner und zum Karneval näher gebracht zu haben. Wir wünschen Oli, Michi, Dominik und Kevin für ihr Festival viel Erfolg und freuen uns, sie in der Session 2015/2016 wieder bei uns im Gürzenich auf der Bühne zu haben.