Backstage bei den Klüngelköpp

„Wir sind eine kölsche Mundart-Band mit 100-prozentiger Kompatibilität zum Karneval“

Ein Bericht von Dr. Marie-Christine Frank

Jetzt erst recht: Von der traurigen Nachricht, dass Frank Binninger, Gründungsmitglied der Klüngelköpp, wegen Burnouts die ganze Session ausfallen wird, haben sich die Klüngelköpp nicht unterkriegen lassen. Mit Heleno Castro haben sie einen wunderbaren Ersatzmusiker gefunden, der sie über die Session begleiten wird. Wie es den Musikern um Frank Reudenbach jetzt geht, wie hoch der Druck ist, mit dem eine so erfolgreiche Kölsch-Band innerhalb der Session umgehen muss, das und vieles Weiteres haben wir die Klüngelköpp in unserem zweiten Teil der neuen Große Kölner- Interviewreihe gefragt.

Im ersten Teil dieser Reihe haben wir für Euch Cat Ballou begleitet. Heute möchten wir mit Euch einmal hinter die Kulissen eines Konzerts der Klüngelköpp schauen. Sie sind spätestens seit 2011 mit dem Titel „Stääne“ nicht mehr von den Bühnen Kölns wegzudenken. Und auch bei uns gibt es seitdem fast keine Sitzung mehr ohne die sechs Vollblut-Musiker in Knickerbockers, Hosenträgern und den Schiebermützen.

Die Anfänge: Wie eine Umfrage den Klüngelköpp ihren Namen gab

Die Klüngelköpp, das sind Frontmann und Sänger Frank Reudenbach, Gitarrist Frank Binninger, Keyboarder Jochen Damm, Saxophonist Mike Siegmund, Akkordeon-Artist Robert Kowalak und Schlagzeuger Stephan Loschelders. Wie es zu dem Bandnamen gekommen ist und warum in Keyboarder Jochen Damm blaues Blut fließt, das erfahrt ihr von ihm persönlich in unserem Video-Interview.

2003/2004 haben die Klüngelköpp mit „Lach doch ens et weed widder weede“ den Mottolied-Songcontest gewonnen. Damit fing alles an: Der Kölner Produzent Frank Binninger und der Kölner Komponist Robert Kowalak gründeten zusammen mit „Blaublüter“ Jochen Damm die Klüngelköpp. Durch eine dreijährige Nachwuchsförderung beim Literarischen Komitee darf die Band schon früh auf den großen Sitzungen und in renommierten Sälen ihr Können unter Beweis stellen. Die Liste ihrer Hits ist zwölf Jahre später lang und doch sind die sechs Musiker nicht abgehoben. Ganz im Gegenteil, im Interview zeigt sich Frontmann Frank Reudenbach bescheiden. Die Klüngelköpp sind an diesem Dienstag gut drauf, sie wirken entspannt und sind zu Späßen aufgelegt, wie Ihr in unserem zweiten Video-Interview sehen könnt. Hier erklärt Frank Reudenbach auch wie es zur Freundschaft mit der Großen Kölner gekommen ist, woher sie ihre Ideen für neue Songs nehmen und ob sie überhaupt noch dazu kommen, privat Karneval zu feiern.

Den Karneval im Hätze

Schon unzählige Male haben die Klüngelköpp auf unserer Bühne im Gürzenich gespielt. Sie gehören mittlerweile seit einigen Jahren sozusagen zum Stammkader auf unseren Sitzungen. Frontmann und „Nicht-Chef“ der Klüngelköpp Frank Reudenbach ist wirklich ein unfassbar guter Sänger. Gänsehaut bei der Autorin - nicht nur später in der ganz besonderen Kombo aus Frank Reudenbach und Gitarrist Bruno Müller, einem befreundeten Musiker der Truppe - sondern auch schon beim Soundcheck. Auch hier wird deutlich, dass bei den „Köpp“, wie sie liebevoll genannt werden, Humor eine wichtige Rolle spielt.

Fünf bis zehn Auftritte am Tag, ca. 200 Auftritte in der Session - Die Klüngelköpp sind in der Championsleague des Kölner Karneval angekommen. Ihre Showdrumming-Einlage zum Sessionstitel „Kölsche Fiesta“ ist mittlerweile legendär und darf daher auch an diesem Abend im sagenumwobenen ehemaligen „Millowitsch Theater“ – der heutigen Volksbühne am Rudolfplatz – nicht fehlen. Hier beweisen die Klüngelköpp einmal mehr ihr musikalisches Können.

Ein kölscher Brasilianer mit Karneval im Blut – Ersatzmusiker Heleno Castro passt perfekt ins Team

Wie Ihr im Video von den Proben sehen konntet, ist mit Heleno Castro ein Neuer im Team der Klüngelköpp. Jedenfalls fast: Heleno ist bereits seit vielen Jahren als Techniker von Frank Binninger für die „Köpp“ im Einsatz. „Ich kenne alle Songs und sogar Franks Bewegungen in- und auswendig“, erklärt Heleno. Und, da er auch ein exzellenter Gitarrist ist, lag nahe, dass er für den erkrankten Frank einspringt.

Nachdem der 33-jährige Heleno an einem Montag im Dezember davon erfahren hat, dass er die Klüngelköpp während Franks Abwesenheit unterstützen darf, hatte er nicht mehr als zwei Tage Zeit, um für seinen ersten Auftritt fit zu sein. Die Burnout-Meldung von Bandkollege und Freund Frank Binninger Mitte Dezember – also kurz vor der zeitlich sehr knackigen Karnevalssession – hat die „Köpp“ sehr getroffen, wie „Bandmama“ Jochen Damm beschreibt. Und doch hatten die Musiker Glück im Unglück.

Blutige Fingerkuppen und brasilianische Rhythmen

Auch für Heleno war diese Situation eine ganz besondere, wie er uns im Interview erklärt. Dabei wirkt er bei seiner Antwort auf die Frage, wie er sich gefühlt hat, als die „Köpp“ ihn baten, die Band zu unterstützen, fast etwas ehrfürchtig. Aber schaut doch einfach mal selbst.

Heleno lebt seit elf Jahren in Köln-Ehrenfeld. Er wird von Sänger Frank der Einfachheit halber „Hannelore“ genannt. Kölner und Brasilianer teilen zwar die Liebe zum Karneval, die verwendeten Rhythmen sind dann aber doch sehr unterschiedlich, wie Frank und Heleno in diesem Video verdeutlichen. 

Fit für die Session

Der Konzertabend steht im Zeichen der Weihnacht. Die Klüngelköpp, die wir bisher vor allem aus dem Karneval kennen, überzeugen mit ihren unglaublich feinfühligen Texten wie in „Die dicke Brill“. Diesen Song hat Frank Reudenbach seinem im Publikum sitzenden Vater gewidmet. Bei „Un wenn et schneit“ beweisen alle Sechs, dass sie nicht nur ihre Musikinstrumente, sondern auch ihre Stimmbänder beherrschen. Die Klüngelköpp wissen zu überzeugen auch „janz höösch mit leisen Tönen“.

Beim neuen Sessionslied „0221“ geht’s dann aber wieder mit Vollgas durch die Volksbühne. Man kann erahnen, was uns im Gürzenich erwarten wird. Ein poppiger Titel, der im Ohr bleibt und zum Mittanzen animiert. Was meint Ihr?

Frank Reudenbach, der 2009 als letzter der Musiker zur Gruppe hinzugekommen ist, hat über 20 Jahre seines Lebens mit Künstlern wie Howard Carpendale, Jennifer Rush und Chris de Burgh zusammen gearbeitet. Er war wohl der fehlende Baustein für den furiosen Aufstieg der „kölschen Boygroup“ und überzeugt mit einer besonderen Leichtigkeit in seiner Stimme und mit sympathischer Bodenständigkeit. Die ganze Truppe ist extrem humorig unterwegs. Vor allem Mike Siegmund, auch „der Tänzer“ genannt, und „der ausgeglichene Überzeuger“ Stephan Loschelders sind immer für einen Spaß zu haben.

Zum Schluss noch auf ein Kölsch mit... – Speed-Interview mit Frank Reudenbach

Da fehlten Frank Reudenbach zum Schluss dann doch noch die Worte. Mit wem er sich schon immer mal auf ein Kölsch treffen wollte, erfahren wir wahrscheinlich erst in der Session. Wie es dazu gekommen ist, dass er mal ein Auto demolierte gibt’s aber mit vielen weiteren persönlichen Details schon jetzt hier.

Wir bedanken uns bei den Klüngelköpp dafür, dass wir sie für Euch an diesem Abend begleiten durften und hoffen, dass wir Euch Lust auf die neue Session gemacht haben. Wir freuen uns schon sehr darauf, „0221“, „Us kölschem Holz“, „Stääne“, „Kölsche Nächte“ und und und am 12. Januar bei unserer Mädchen-Sitzung auf der Bühne zu hören. Eins steht für die Autorin nach diesem Abend auf jeden Fall fest: Die Klüngelköpp sind echte kölsche Jungs und „jedäuf met 4711“.

Jecke Grüße. Eure, Marie-Christine Frank.

Bilder zum Bericht findet Ihr in unserem Album auf Flickr und auf unserer Facebookseite unter: http://on.fb.me/1PIEpHm.

P.S. Ein herzlicher Dank geht an Kay-Uwe Fischer, alias Kay-Uwe Paulen Krake, für die grandiosen Fotos zu unserem Konzertbesuch bei den Klüngelköpp. Kay-Uwe hat sich u. a. als Spezialist für Karnevalsfotografie einen Namen gemacht und ist ein Freund der Großen Kölner.

Weitere Bilder und Videos zum Bericht findet Ihr auch auf unseren Twitter- und Instagram-Accounts: https://twitter.com/grossekoelner, https://instagram.com/grossekoelner.